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Rail Cargo Austria-Chef Friedrich Macher im Interview

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Wie die gesamte Logistikbranche ächzt auch der Schienentransport unter der Wirtschaftskrise. Warum die ökologische Logistiklösung dennoch auf dem Vormarsch ist und was dabei für KMU drin ist, erklärt Friedrich Macher, Vorstand der Rail Cargo Austria, im Interview.

Die Wirtschaftskrise hat die Logistikbranche besonders getroffen. Wie schlimm hat es die Rail Cargo Austria erwischt?
Wie die gesamte Branche haben wir die Krise natürlich gespürt, haben aber mit einem Umsatzrückgang von 13 Prozent am besten von allen europäischen Bahnen abgeschnitten. Der Verlust für 2009 liegt mit drei Prozent vom Umsatz ebenfalls unter dem anderer europäische Bahnen, deren negatives Ergebnis zwischen sechs und 60 Prozent des Umsatzes ausmachten. Wir haben unsere Hausaufgaben also gut gelöst.

Wie soll es in Zukunft wieder aufwärts gehen?
Es ist uns gelungen, unseren relativen Marktanteil gegenüber anderen Wettbewerbern zu verbessern und in marktbedingt beschränktem Ausmaß Neugeschäft zu gewinnen. Mit neuer Struktur und Innovationsprojekten sind wir 2010 gut aufgestellt. Dazu zählen unter anderem Strategien im Bereich der Green Logistics, wo wir bestimmte Leistungsmerkmale der Schiene ganz besonders stark um ökologische Faktoren herum bündeln. Die Gesamtleistung dadurch ist wettbewerbsfähig mit der Straße und hilft, ökologische Ziele zu realisieren.


Werden ökologische Lösungen jetzt stärker nachgefragt?
Ja, vor allem von großen nationalen und internationalen Unternehmen, die auf ihre CSR-Verantwortlichkeit und ihre Ökobilanz schauen. Wir können jetzt schon im Kontraktgeschäft und bald bei all unseren Leistungen den CO2-Effekt des einzelnen Transports auf der Schiene dem Kunden übermitteln.


Wie viel CO2 erspart der Transport über die Schiene gegenüber dem Straßentransport?
Der Schienentransport verursacht auf gleicher Strecke 16 Mal weniger CO2.


Hat die Wirtschaftskrise den Verkehr stärker auf die Schiene gebracht?
In Österreich werden 30 Prozent des Transports über die Schiene abgewickelt, der europäische Durchschnitt liegt bei rund 10 Prozent. Über mehrere Jahre stieg der Anteil sogar, doch Dumpingangebote osteuropäischer LKW-Frächter haben während der Wirtschaftskrise die Straße für den Transitverkehr wieder interessanter gemacht. Wir sind dabei, hier aber wieder aufzuholen und können unseren Kunden wieder wettbewerbsfähige Angebote stellen, ohne uns selbst betriebswirtschaftlich zu schaden. 


Wie kann so ein Angebot aussehen?
Um es stellen zu können, analysieren wir die Gesamtlogistik des Unternehmens von der Anlieferung der Rohstoffe bis zur Auslieferungen der fertigen Produkte. Wir evaluieren, in welchen Bereichen ökologischere Lösungen möglich sind. Das kann für ein Unternehmen die Änderungen von Prozessen bedeuten, um bessere Bündelungen zu erzielen. Und die Ökobilanz bekommen die Kunden dann mitgeliefert.  

Ist der Transport über die Schiene für KMU überhaupt interessant?
In verschiedenen unserer Sparten können wir auch KMU bedienen. Die Kontraktlogistik - die Übernahme von Lagerhaltung, Zusammenstellung der Aufträge, Kommissionierung und Distribution - ist zum Beispiel österreichweit Marktführer und funktioniert auch in kleinen Mengen über die europäischen Grenzen hinweg. Die letzte Meile wird dabei meistens durch LKW abgewickelt. Hier sind wir vor allem für KMU aus allen Branchen tätig.


Worin liegt der Vorteil der Schiene?
Von Haushaltsgütern, über Holz und Papier kann die Schiene vor allem dort einen Systemvorteil bieten, wo es um lange Strecken und große Mengen geht. Wo das nicht der Fall ist, also im Sammel- oder Einzelwagenverkehr, muss man schlaue, integrierte Logistiklösungen finden - und das ist auch für KMU möglich.

Die sagen aber oft, die Schiene sei so unflexibel. Es sind optimale Lösungen für KMU möglich, aber es stimmt, man muss sich hinsetzen und das durchplanen. Man muss den Transport auf Zuruf durch besser geplante Systeme ersetzen, das ist tatsächlich die Voraussetzung für den Transport über die Schiene. Dann ist sie aber die intelligentere Lösung als die Straße. Dadurch wird auch die Zuverlässigkeit besser. Diese Barriere ist aber gerade bei KMU da. Wenn alle zusammenarbeiten, sind tolle Lösungen möglich, wie es in Österreich zum Beispiel bei der Weinlogistik für Winzer funktioniert. Die Weinkartons werden
via LKW vom Weingut abgeholt, auf die Schiene gebracht und vom Endbahnhof mittels LKW zu den örtlichen Händlern gebracht.


Wie schnell lässt sich ein Transport über die Schiene aufstellen?
Innerhalb weniger Stunden ab Kontaktaufnahme. Wir haben starke regionale Logistikzentren. Die Kosten sind natürlich geringer, wenn der Auftragstransport mit anderen Aufträgen kombiniert werden kann.


Ab welchem Auftragsvolumen rechnet sich das?
Auf Strecken von weniger als 300km und kleinen Mengen braucht es ein gut getaktetes System, damit die Schiene gut mitspielen kann. Ihre Systemstärke kommt aber vor allem auf langen Strecken oder bei großen Mengen zum Tragen. Deshalb verfügt Rail Cargo Austria über Auslandsniederlassungen.


Wie macht sich das bezahlt?
Wir sind international entweder selbst mit Personal und eigenen Loks tätig oder kooperieren mit Partnern, je nachdem, wie leistungsfähig die örtlichen Partner sind. Der Vorteil unserer Präsenz ist vor allem die Verlässlichkeit und das internatio-
nale Netzwerk. So sind wir von der Adria und der Ostsee bis zum Schwarzen Meer tätig.


Wie kann die Schienenlogistik, die ökologisch sinnvoll ist, noch attraktiver werden?
Die Schienenlogistik wird wie die gesamte Branche in den nächsten Jahren mit größeren Schwankungen in den globalen Supply Chains und Aufträgen konfrontiert sein, die sie ebenso meistern muss, wie Kundenanforderungen in Sachen Service. Gemeinsam mit der Politik und Wirtschaft wollen wir den Schienentransport von 30 in Richtung 40 Prozent entwickeln. Dafür werden das Schienennetz und Güterterminals ausgebaut und erneuert. Was man aber klar sagen muss: Jetzt ist die euro-
päische Verkehrspolitik gefragt. Nur mit flächendeckendem Schienenausbau auch im Osten ist international die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene zu bewältigen.

(Quelle: die-wirtschaft)